José Zanine Caldas
Biografie
Ein Autodidakt sowohl auf dem Gebiet der Architektur wie auf dem des Designs, begann Zanine Caldas seine Karriere Anfang der vierziger Jahre als Modellbauer in Rio de Janeiro. Zanine hatte das Glück, für die wichtigsten modernen Architekten Brasiliens wie Oscar Niemeyer und Lucio Costa arbeiten zu dürfen, wobei er oft beim Aufbau der Gebäudemodelle Lösungen kniffliger technischer Probleme entdeckte. Im Vertrauen auf die Möglichkeiten der damaligen Industrialisierung, gründete er Ende der vierziger Jahre zusammen mit seinem Gesellschafter Sebastiâo Pontes die Fabrik „Móveis Artísticos Z“,um Möbel aus Sperrholz in modernen Formen und zu erschwinglichen Preisen herzustellen.
Im Jahr 1964 entzog sich Zanine Caldas der Verfolgung durch das damalige Militärregime und sammelte bei Reisen durch Südamerika und Afrika Erfahrungen, die seine spätere Arbeit sehr beeinflussen sollten, darunter eine hohe Wertschätzung für das handwerkliche Geschick der einfachen Leute. Als er dann Ende der sechziger Jahre nach Rio de Janeiro zurückkehrte, verwirklichte er mehrere Projekte, nämlich aus Holzstrukturen errichtete Häuser im Stil der Moderne mit Anlehnung an die koloniale Baukunst. 1968 zog er nach Nova Viçosa in Bahia, wo er sich mit Problemen des Umweltschutzes befasste. In der Region von Nova Viçosa, im Kontakt mit der von einer wuchernden Zellstoff-Industrie bedrohten steinigen Buschlandschaft des Agreste und inspiriert von den im Bootsbau über eine reiche Tradition verfügenden Handwerkern des Städtchens ließ sich Zanine Caldas zur Herstellung kunsthandwerklich gefertigter Möbel anregen, wobei er Holzreste, knorrige Äste sowie bei der Pflanzung von Industrieholz der Erde entrissene rohe Baumstrünke und bizarre Wurzeln verwandte. Dies sei, so sagte er, eine Form des Protestes gegen die aggressive Zerstörung der ursprünglichen Landschaft.
1977 wurden seine Objekte in verschiedenen Städten Brasiliens ausgestellt, so etwa in Rio de Janeiro im Museum für Moderne Kunst, dem MAM/RJ, oder auch im Kunstmuseum von São Paulo, dem MASP/SP.
1989 wurde ihm in Paris von der französischen Akademie für Architektur die Silbermedaille verliehen, und der Louvre veranstaltete in seiner Abteilung für dekorative Kunst eine große Ausstellung seiner Werke.
Mit den jetzt in der GALERIE – ZEITLOS ausgestellten Beispielen des von Zanine Caldas entwickelten Möbeldesigns werden seine beiden unterschiedlichen Schaffensperioden dokumentiert. Es sind Produkte aus der Zeit von „Móveis Artisticos Z“, als er an die Zukunft der industriellen Fertigung glaubte, sowie die unter Verwendung eines Baumstrunks hergestellte Anrichte aus der zweiten Epoche, in der er das Wissen der einfachen Leute und ihr handwerkliches Geschick entdeckte.