Oscar Niemeyer
Biografie
Oscar Niemeyer, der die öffentlichen Gebäude der Hauptstadt Brasilia entworfen hat und im Alter von 104 Jahren noch immer seinen Beruf ausübt, ist mit Sicherheit derjenige brasilianische Architekt, der auf der internationalen Bühne am meisten Beachtung hervorruft.
Nach dem Abschluss seiner Ausbildung an der Nationalen Schule der Schönen Künste in Rio de Janeiro im Jahr 1934 wurde er für seine Gestaltung und Formgebung von Beton bekannt. 1936 gehörte er der Gruppe von Architekten an, die sich bei der Planung des Ministeriums für Bildung und Gesundheit in Rio de Janeiro auf die Entwürfe Le Corbusiers stützten und damit der modernistischen Architektur Brasiliens das erste Denkmal setzten. Dieser wenn auch nur kurze Kontakt mit Le Corbusier stellte die Weichen für Oscar Niemeyers spätere Laufbahn, denn es brachte, wie Lucio Costas einmal feststellte, das in ihm schlummernde Genie erst zum Vorschein.
Oscar Niemeyer hat 1988 unter anderen zusammen mit dem amerikanischen Architekt Gordon Bunshaft den Pritzker-Preis (der wichtigste Architekturpreis der Hyatt Foundation in Chicago) bekommen.
Zu seinen berühmtesten Projekten sowohl in Brasilien als auch im Ausland zählen außer den öffentlichen Gebäuden Brasilias und dem zwischen 1940 und 1944 errichteten Gebäudekomplex am See Pampulha in Belo Horizonte auch der 1951 errichtete Große Pavillon der Biennale von São Paulo im Ibirapuera-Park in São Paulo, der 1965 in Paris erbaute Hauptsitz der Französischen Kommunistischen Partei, das 1991 eröffnete Museum für zeitgenössische Kunst in Niterói, sowie viele andere Bauten.
Niemeyer wandte sich während seines französischen Exils in den siebziger Jahren zusammen mit seiner Tochter Anna Maria Niemeyer dem Möbeldesign zu. Er benutzte Sperrholz, da er in diesem Material die Möglichkeit erkannte, mit einfachen Strukturelementen neue Formen zu schaffen. So entstanden Möbel mit runden Formen und darin integrierten Stützfunktionen. Seine Möbelstücke sind bereits in den wichtigsten Museen und auf bedeutenden Messen Europas ausgestellt worden, so zum Beispiel im Pariser Centre George Pompidou, im Florentiner Chiostro Grande, auf der Kölner Internationalen Messe und im Internationalen Möbelsalon zu Mailand. Die Ausstellung ‘Brazilian Design’ zeigt im Stilwerk Berlin nicht nur die Chaiselongue „Rio“, sondern auch deren Gegenstück „Praiana“, von dem es weltweit nur wenige Exemplare gibt.